kunstpiste: Kurven, Schnee & Menschen
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Sat, 04 Oct 2003
Skilaufen mit Imagination
Die Imagination ist deshalb wichtig, weil sie weitgehend unsere Gefühlswelt und unsere Verhaltensweise bestimmt. Fast allem was wir erfahren geht in irgendeiner Weise eine Vorstellung voraus. Obwohl wir uns nicht mehr erinnern, haben wir schon als Kleinkind krabbeln, gehen und laufen gelernt, indem wir zunächst in der Vorstellung krabbelten, gingen, liefen und diese Vorstellung dann umsetzten.

Nachdem wir im allgemeinen unsere geistigen Aktivitäten als gegeben hinnehmen, mag es vielleicht überraschend klingen, daß wir über verschiedene Arten von Vorstellungskraft verfügen. Die spontane und die willentliche Imagination sind zwei davon. Sie haben ihren Unterschied in verschiedenen Teilen oder Aspekten des Geistes verankert sein und können das Bewußte und das Unbewußte genannt werden.

Unbewußte Imagination wird aus unseren Erinnerungen und durch telepathische Kommunikation gespeist. Sie kennzeichnet sich dadurch, daß sie ohne unser Zutun aufzusteigen scheint. Selbst wenn wir bewußt beschließen eine Erinnerung wachzurufen, ist sie ihrem Inhalt nach ein unbewußtes Produkt. Spontane Imagination kann kreativ sein, doch ist es eine Kreativität, die bereits vorhandene Elemente nutzt. Sie ist in der Lage neue Kombinationen zu erstellen, doch kann sie keine neuen Konzepte schaffen.

Das ist Aufgabe der willentlichen Imagination, die man sich beim Lernen oder Verfeinern von Bewegungsabläufen zu Hilfe holen kann. Hier geht es darum den Vorstellungsinhalt bewußt zu >wollen<. Der Unterschied zwischen spontaner und willentlicher Imagination, ist wie der Unterschied zwischen dem Heraufholen einer Erinnerung und dem Tagträumen eines freudevollen Erlebnisses, das nicht unbedingt stattfinden muß.
Imagination im Skiunterricht
Seit vielen Jahren biete ich in meinen Skiworkshops die Möglichkeit, über bewusste Imagination an eine Verbesserung der Bewegungsqualität heranzutreten. Im Gegensatz zu einigen Kollegen, die klare Bildvorgaben liefern - "Stell dir vor du bist, du hast, du machst..." überlasse ich meine Kunden fast immer der eigenen Suche nach geeigneten Bildern, da diese viel mehr mit der eigenen möglichen Ausführung verbunden sind. Eine Vorgabe von fertigen Bildern mag in manchen psychologischen Therapien angebracht erscheinen, auf der Skipiste und besonders ohne therapeutische Ausbildung des Skilehrers sollten sie jedoch mit grosser Vorsicht übernommen werden!
Abfahrtstraining auf der Couch
Ein Beispiel der Imagination aus der Praxis:
Während meiner aktiven Zeit als Skirennläuferin, verwendete ich beide Techniken der Imagination bei meinen mentalen Startvorbereitungen. Zunächst absolvierte ich, in absolut entspanntem Zustand einen mentalen Trainingslauf, der meiner Erinnerung des letzten Laufs entsprach und dessen Fehler und Mängel beinhaltete. – Spontane Imagination. Die gestoppte Zeit dieser virtuellen Abfahrt entsprach erstaunlich genau +/- 2/10 Sekunden der realen Fahrt. Ebenso ließen sich synchron unterschiedliche Muskelkontraktionen und Erhöhung der Pulsfrequenz z.B. vor Sprüngen und schwierigen Passagen messen. Der Weg der Leistungsoptimierung lag in weiteren Vorstellungen von Läufen bei denen willentlich optimale Linienführung und Bewegungsabläufe imaginiert wurden. Im Rennen konnte ich meinen inneren Vorläufer auf die Piste schicken und ihm ganz einfach folgen. Verblüffend war in vielen Fällen, die Zeitverbesserung, die auf wenige Zehntel genau mit dem optimalen virtuellen Lauf übereinstimmte.
Links zum Thema auf kunstpiste.com


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