kunstpiste: Kurven, Schnee & Menschen
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Sat, 09 Apr 2005
Ästhetik im Skilauf III
Modern Times
Wenig Bahnbrechendes ist zwischen "Erfindung" von Wedeln und Carvingsksis in der Skiwelt passiert. Im Rennsport etablierte sich die "Umsteigetechnik" um den Rutschanteil möglichst gering zu halten, was aber keinesfalls als Neuerfindung der sechziger Jahre zu werten ist. Bereits in den 30ern empfahl Fritz Hoschek das "flüchtige Aufheben eines Beins". Modisch am augenscheinlichsten beeinflusste Jetschwung mit zugehörigen Jethosen in den siebziger Jahren die Pisten. Ausschlaggebend waren dafür monströse Jetschuhe, sie ermöglichten grosse Rücklage zum Drehen der Skis und waren mit "Keilhosen" in funktioneller und ästhetischer Hinsicht nicht mehr kompatibel.

Bemerkenswert scheint, dass sich zu dieser Zeit bereits ernsthafte Gedanken zum Thema Carving entwickelten, was der Zeitungsauschnitt (rechte Spalte) aus den frühen siebziger Jahren eindeutig belegt. Warum es zum Carvingdurchbruch so lange gedauert hat, sei dahingestellt sicher ist, dass Mr. Burtons Snowboards massgeblich zu einer neuen Schneekultur beitrug und dadurch wahrscheinlich auch viel für der Befreiung des Skilaufs aus dem Ästhetischen Diktat einen wichtigen Impuls gab.

Was sich zuerst recht kontroversiell gegenüberstand könnte man nun mit den Schlagwörtern Hybridität und Vermischung als neueste Entwicklung im Schnee benennen. Denn Snowboarder und Skifahrer sind stilistisch kaum mehr zu unterscheiden und teilen sich Funpark, Freeridespace, modische Kleidung und Terminologie.

Doch wird nur allzu oft übersehen, dass hinter dem freien Spiel von Bewegung der Snowcommunity die altbekannten ökonomischen und verbandspolitischen Machtstrukturen lauern. "Carving" ist zwar salonfähig geworden, weil die Postmoderne Gesellschaft auch im Schnee für mehr Freistil steht und nicht zuletzt die Wintersportindustrie nach dem Snowboardboom einen neuen Trend bitter nötig hatte. Doch im österreichischen Skilehrwesen hält man immer noch "modern" am Slogan Schönskilauf der Nachkriegszeiten fest.

So könnte man auf Differenzen zwischen gelebter Hybridität der New School und Uniformität der "guten alten Schule" hinweisen. Da legt man Wert auf individuellen "Style" und dort werden Lehrpläne nach wie vor in technokratisch operierender Vernunft erstellt. Dekonstruktive Hinterfragung findet man in ihnen wenig, der Ausweg aus der ästhetizistischen Sackgasse scheint schwer:

"In Österreich wird seit den 50er Jahren "Beinspieltechnik" gelehrt. Seit geraumer Zeit jedoch sind besonders durch die Erfahrungen mit den veränderten Bauweisen der Ski neue Trends offenkundig. Das Carven verbindet geradezu ideal bewährte Bewegungsmuster mit modernen Erkenntnissen. Die rasch fortschreitende Entwicklung dieser Kombination lässt für die Zukunft neue Möglichkeiten entstehen."
Mag. Werner Wörndle, ÖSV Bundes Ski Akademie


Auf geht's! Gemma Skifahren und werfen wir am Hang einen Blick in die Zukunft, denn dort hat sie schon längst begonnen!
In the News - 1972
Neue Illustrierte Wochenschau - 2.1.1972
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Im Skilehrplan 2005
"Im modernen Skilehrwesen ist das Carven mit leicht offener Skistellung das vorrangig angestrebte Lernziel (Schönskilauf). Durch die schmale Unterstützungsfläche wird der Lernende allerdings mit Gleichgewichtsproblemen konfrontiert. Nach dem Carven in der Grundstufe eignet sich im Sinne des methodischen Prinzips das parallele Skisteuern – lang als Vorstufe zum Carven."
TSLV - Technik - Fortbildung



Anmerkung:
Warum einfach, wenn's kompliziert auch geht? - Eine ganz offene Skiführung hilft am Besten gegen Gleichgewichtsprobleme!

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