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Sat, 02 Oct 2004
The other side of the lens
Eine Aktion von Canon und dem Roten Kreuz
Internationale und heimische Persönlichkeiten wurden gebeten, das Thema Hoffnung und Inspiration zu Gunsten des Roten Kreuz fotografisch umzusetzen. Das Ergebnis ist eine Sammlung sehr persönlicher Bilder, die seltene Einblicke in das Leben der Stars geben und aufschlussreich zeigen, was sie inspiriert
Surprise
Tatsächlich hat mir das Rote Kreuz auch eine DigiIxos 500 in die Hand gedrückt, neben soviel Prominenz bin ich dabei leicht errötet. Also ich geh mit der Rot Kreuz Kamera und der Mission los und freu mich – knips, knips, knips... nach elf mal macht sie Schluss, Speicher voll: Eine echte Herausforderung!

Sportlich habe ich die Herausforderung angenommen und 3x den Elfer geschossen; dabei sind 33 Bilder herausgekommen; aber nachdem ich im Vertrauen lebe, dass 1+1 manchmal grün sein darf ist daraus eine Collage mit 28 Bildern geworden - eine 7er Gleichung sozusagen. Eine Gleichung mit einer unfassbaren Variablen – dem Augenblick.
Surprise, surprise
Unfassbar war dann die Reaktion von Canon Österreich im ersten Moment für mich. So gut hätten alle meine Collage gefunden und besonders auch den Text und ob ich vielleicht die Einleitung zum Bildband schreiben möchte...? Da hat es mir momentan die Sprache verschlagen - in der letztjährigen Ausgabe des Buchs wurden dafür keine geringeren wie William Gibson und Jefferson Hack um Wortspenden gebeten. Wie ich meine Sprache wieder gefunden habe ist in der rechten Spalte zu lesen, den ganzen Band kann man beim Roten Kreuz bestellen, dort erfährt man auch mehr über den guten Zweck! [...]
Ein Auszug aus der Liste der prominenten Fotografen:

Vivienne Westwood
Heidi Klum
Franz Klammer
David Coulthard
Armin Assinger
Paulo Coelho
Constantin Peyfuss
Peter Rabl
Angelina Jolie
Klaus Maria Brandauer
Kate Moss
Nicole Kidman
Vagn Soerensen
Natalie Imbruglia
Wolf Haas
Helena Christensen
Wolfgang Petritsch
Karl Lagerfeld
Hermann Maier
Tommy Hilfiger
Peter Simonischek

Alle Bilder im Überblick [...]
Im mittelalterlichen Pidgin der Hanseaten nannte man es hopen, wenn jemand vor freudiger Erwartung zappelte, hüpfte oder sprang und meinte damit präzis: Hoffend verhält sich der Mensch positiv zur Zeitlichkeit seiner Existenz. Doch das Leben ist - mindestens - zweischneidig und lässt sich vielleicht nur lakonisch auf einen Nenner bringen: "ein Luftsprung / eine Bauchlandung". Denn Hoffnung ist stets begleitet von Zweifel und Angst. Künstler suchen diese Ambivalenz um sinnliche Areale zu betreten. Und mit Beglückung gegen Horror gewinnt auch die Seite des Dogmas freie Hand. "Das Leid kommt", heißt es larmoyant und „wo göttliche Inspiration ist, ist die Hoffnung.“

In der Hoffnung auf das Gute liegt auch das erhoffte Einzelne und damit der Grundstein für Luftschlossbaustellen aller Art. Als Baumeister brauchen wir hier ausnahmsweise weder auf Finanzplan noch Statik Rücksicht nehmen. Und so inspiriert die Hoffnung den Wunschtraum und leistet eben in dieser Form ihren Beitrag zum anfeuernden oder tröstenden Weltverständnis. „Glück gehabt!“ wem der erträumte Wunsch dann noch zufällt. Aber Glücklichsein und dessen habhafte Form trennen Welten. An ihren Topographien werken und ordnen Dichter und Philosophen schon längst und wahrscheinlich noch lange. Landläufig tut man sich leichter, bezieht eindeutig Stellung, gilt ein glücklicher Mensch als beneidenswert. Im Schatten des Neids die Paradoxie - weil Glück wunschlos ist.

Wunschlose Glückseligkeit, jenes Sein im Zustand vollkommener Zufriedenheit, erreicht man mit Hingabe, zumindest in der normalsterblichen Welt. Jenseits von Zeit- und Raumempfinden, wo Fühlen, Wollen und Denken im Einklang sind, dort entspringt auch die Quelle neuer Ideen. In der Hingabe an den Augenblick, wo alles bedingungslos fließt, schwimmt Hoffnung gemeinsam mit Inspiration in kreativen Gewässern. Jetzt könnte spontan der Gedanke an Liebe auftauchen. Bekanntlich grenzenlos, entzieht sie der Hoffnung den Zweck und entzündet die Freiheit. Beleuchtet dieser Blickwinkel nicht auch die Verfassung der hoffnungslos Verliebten in anderem Licht?

Nur Mut, denn Kreativität ist längst nicht mehr exklusiv! Die Fähigkeit, produktiv gegen Regeln zu denken und handeln ist am Weg sich zu emanzipieren. Im persönlichen Ausdruck, in konkreter wie abstrakter Form, in Worten, Farben, Aromen, Bewegung und Tönen ist Platz für mannigfaltige Optionen. Ein Paradies für den, der sich bemüht, seine Freiheit zu finden; denn Kreativsein ist Ausbrechen in die Freiheit, die eine Botschaft erst wahrnehmbar macht. Wer dieses Universum aus Leben, Charme und Kraft betritt, findet Aussichten fast unbegrenzt.

So sehen wir uns am Ende auch mit dem Bild der Botschaft konfrontiert. Gleicht unter diesem Gesichtspunkt nicht besonders das Fotografieren dem Philosophieren? Kann man einen Standort wählen, ohne die Situation zu manipulieren? Und wenn nur der Empfänger, er ganz allein, den Sinn der Botschaft definiert – wer ist Empfänger? Eine Antwort könnte in der Freiheit des Perspektivenwechsels liegen - "On the other Side of the Lens"!
nicola werdenigg


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