kunstpiste: Kurven, Schnee & Menschen
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Thu, 14 Nov 2002
"Bedienungsanleitung" für Carvingskis
"Carven kann man auf vielerlei Art und Weise. Beim Rutschen hört es allerdings auf."
"Wenden im Aufstieg" in Der Ski v. H. Hoek 1925
Von Kellern und Dachböden verschlungen, auf Pisten fast ausgestorben, aus Schaufenstern verdrängt. Sie gehören eindeutig zu einer aussterbenden Art, die langen, schmalen, spitzen untaillierten Skis. Doch nicht jeder, der sich von modernen Taillien zum Umstieg auf Carvingskis verführen liess, hat diese auch verstanden.
vorausgesetzt
"Stemmbogen" in "Der Schi" von H. Hoek 1925
Hier werden die wesentlichen Schritte beim Umsteigen auf Carvingskis beschrieben. Diese Anregungen sind für Skifahrer mit Erfahrung auf traditionellen "Alpinskis" gedacht. Eine Anleitung für Anfänger finde ich nur in der Praxis auf Schnee sinnvoll, da Skifahrenlernen aus dem Buch nur in Ausnahmefällen funktioniert. Trotzdem ein Tipp für Neueinsteiger: Skilehrer, die den Schneepflug unterrichten bevor der Steuerungsmechanismus der Skis erfahren wurde, haben (noch) kein Carvingfeeling.
losgelassen
Leo Gasperl demonstriert den Schneepflug Anno 1939
Die größte Hürde beim Umstieg auf die neue Technik liegt im mentalen Bereich. Zuerst kämpfte man mit dem Schneepflug und dann versuchte man jahrelang schmale Skiführung, Talskibelastung und Stockeinsatz zu perfektionieren, jetzt soll man seinen mühevoll erkämpften Stil plötzlich aufgeben und wieder breitbeinig am Anfängerhang beginnen. Klingt nicht eben verlockend, doch es lohnt sich! Nach wenigen Stunden stellt sich ein Gefühl für Kurven und Kanten ein, das man nicht mehr missen will. Der beste Helfer für einen erfolgreichen Umstieg ist das Gelände, schön flach, ohne Buckel und Eisplatten, möglichst weiträumig soll es sein. Und es gibt auch einen simplen Trick alte Muster leichter zu verlassen: Loslassen, auch die Skistöcke. Egal ob man sich später für oder gegen einen Stil mit Stöcken entscheidet, bei den ersten Versuchen mit Carvingskis im flachen Gelände ist es sehr hilfreich auf Skistöcke zu verzichten. Zum einen schafft man dadurch eine neue Situation, die einem die Veränderung leichter klar macht. Zum anderen ermöglichen freie Hände einen wesentlich vergrößerten Bewegungsspielraum beim Erfahren der Carvingtechnik.
geschwungen
"Singing Max" by Nicola
Die schönsten Gefühle stellen sich ein, wenn einzelne Schwünge in harmonischen Rhythmus übergehen. Schwingende Armbewegungen unterstützen das Feeling am Besten, doch manche Menschen fühlen bei unkonventionellen Bewegungen auf öffentlichen Pisten Anfangs etwas sonderbar. Zu zweit oder in der Gruppe ist man meist mutiger seinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Auch Musik hilft. Wer nicht selbst als Pistentroubadour auftreten möchte, kann auch leise summen oder zum Walkman greifen. Übrigens die meisten Kinder singen beim Skifahren, wenn ihnen "der Knopf aufgeht".
kurz und gut
Basics auf einen Blick:
  • Einfaches, flaches Gelände für den Start wählen.
  • Aufrecht und breitbeinig stehen, den Blick weit nach vorne richten.
  • Loslassen...nicht nur die Stöcke
  • Schwungauslösen durch Kippen und Schrittwechesel
  • Vertrauen zum Innenski aufbauen
  • Achtung auf körperliche Ermüdungssignale, wie Unaufmerksamkeit, Verkrampfung, Atembeschwerden, Husten, brennende Augen - Pausen sind wichtig.
  • Bitte nur mit erfahrener Begleitung ins Gelände!

    Auf überfüllten Pisten können selbst Weltmeister nicht carven. Zwischen 9°° und 11°° sind viele Hänge noch frei und frisch präpariert. Nachtmenschen empfiehlt sich die Zeit von 15°°-16°° für ungestörten Genuss

  • Für persönliche Fragen steht das Follow Up am Seitenende zur verfügung.

    Viel Spass beim "Umsteigen"!

    Nicola
    L. Gasperl - Scuola di Sci Discesismo, 1939
    L. Gasperl - Scuola di Sci Discesismo, 1939

    Umsteigen auf die Carvingtechnik
    Tipps und Tricks die sich in der Praxis vielfach bewährt haben. Besonders wichtig ist die Wahl des richtigen Geländes!
    Basics in Wort und Bild
    Eben
    Mach dich mit deinen Carvingskis auf einer ebenen Fläche vertraut, egal wie gut du schon Skifahren kannst! Die ersten Schritte zeigen dir bereits wesentliche Unterschiede zu deinen gewohnten Skiern. Veränderungen durch Länge und Breite wirst du schon beim Gehen bemerken. Schlittschuhschritte im Flachen zeigen dir wie sich Kanten, Taillierung und Flex beim Beschleunigen auswirken. Besonders wichtig ist dein Blick, der ganz weit nach vorne gerichtet sein soll. Achte auch darauf, dass immer beide Skis Schneekontakt haben.
    Sanft
    Für den nächsten Schritt brauchst du einen Hang mit geringer Neigung - Babylift, Anfängerlift. Besonders wichtig ist, dass du sehr breitbeinig (mindestens Hüftbreit) in der Falllinie losfährst. Dann neigst du einfach deinen ganzen Körper über das Bein auf die Seite. Den anderen Fuß bewegst du dabei leicht nach hinten. Lass Dich vom Ski (ver)führen! Er bewegt dich ohne weiteres Zutun in die gewünschte Richtung. Zum Stehen kommst du ohne zu bremsen, da deine Kurve ja bergauf führt. Beispiel Bogen nach rechts: Körper nach rechts neigen, linken Fuß nach rückwärts ziehen, abwarten. Versuche dann Kurve an Kurve zu reihen, "schreite" sozusagen nach unten. Besonders angenehm ist diese Bewegung wenn du die Arme zu Hilfe nimmst um deinen Schwung zu unterstützen.
    Freiraum
    Erinnere dich an Eindrücke am flachen Hang und versuche deine neue Erfahrung im steileren Gelände anzuwenden. Du wirst bemerken, deine Carvingskis lassen sich bei Bedarf genauso Rutschen und besser Drehen als herkömmliche Skis. Durch das Spiel mit Rhythmus, Geschwindigkeit und Gelände wirst du rasch Sicherheit erlangen. Stell dir jede Kurve als Halbkreis vor. Achtung deine Radien werden jetzt weiter als beim herkömmlichen Skilauf und deine Geschwindigkeit nimmt zu, wenn du weniger driftest. Achte bitte auf andere Pistenbenutzer. Dein Tempo kannst du reduzieren, indem du den Schwung etwas bergauf auslaufen lässt.
    Schneidig
    Das eigentliche Carving ist ein Richtungswechsel auf der Kante ohne zu Rutschen. Am besten gewinnt man diese Erfahrung zunächst auf langen Flachstücken. Das Spiel mit Kippen und Kanten bringt auch Abwechslung auf sonst öde Skiwege. Konzentriere dich auf die Fußsohlen. Du kannst dein Gewicht langsam von einer kleinen Zehe über die gesamten Ballen zur anderen und wieder zurückrollen und dabei feststellen wie dich die Ski auf der Kante führen. Willst du eine stärkere Reaktion spüren, kannst du diese Schaukelbewegung auch durch eine Kniebewegung unterstützen. Noch mehr Druck auf die Kanten lässt sich mit dem Rumpf und den Armen, ausgelöst durch eine schwingende Beckenbewegung, erzielen.
    Spiel
    Kurven mit Innenlage wie am Snowboard, Beschleunigung, Surfen im Tiefschnee... die Grenzen der Lust an Bewegung sind weit. Jeden Tag lässt sich ein neues Spiel mit Carvingskis entdecken. Voraussetzung dafür ist Vertrauen und Gewicht auch auf den Innenski zu verlagern.


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