kunstpiste: Kurven, Schnee & Menschen
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Thu, 02 Jan 2003
Diretissima zum Skierlebnis
Vanessa hat in zwei Stunden erfahren, wie man einfache Pisten ohne mühsamen Schneepflug und anderen Problemen genießen kann. Die wichtigsten Voraussetzungen boten ihr dabei spielerischer Zugang ohne Vorgabe eines Lernzieles, die Methode variable Skilängen zu benutzen und besonders die richtige Geländewahl.

  • Spiel
    Für Schnee Newbies ist der erste Eindruck meistens mit starken und elementaren Emotionen verknüpft. Besonders wichtig ist, dass diese Eindrücke nicht von Anleitungen und Übungen überdeckt werden. Spielen mit und im Schnee je nach Lust, Laune und eigenen Zeitbedürfnissen sind ein wesentlicher Faktor des lustbetonten Zugangs zum Skifahren.
  • Zeit
    Die Akklimatisation in größeren Höhenlagen und kalten Temperaturen ist besonders wichtig. Erst wenn sich der Organismus auf die ungewohnte Umgebung eingestellt hat, ist auch der Geist aufnahmefähig für neue Erfahrungen. Hektik und Ungeduld, die oft mit fix vorgegeben Beginnzeiten von Skikursen verbunden sind, wirken hier besonders kontraproduktiv.
  • Gehschule
    Jeder Mensch, der zum ersten Mal mit Skischuhen an den Füssen unterwegs ist, muss sich an dieses Gefühl gewöhnen. Bevor sich ein Skineuling zum ersten Mal auf Skis stellt, sollte er sich so an seine Schuhe gewöhnt haben, dass er nicht mehr an sie denkt. Nur in Ausnahmefällen, wie schweren Behinderungen die sich auf den Gleichgewichtssinn auswirken, sollte man beim Erlernen des Skilaufs zu Stöcken greifen. Das natürliche Empfinden, eine neue Form des Laufens zu erfahren, braucht ebenso wenig Krücken, wie ein Baby beim Gehenlernen.
  • Deja Vu
    Jeder Mensch hat zumindest in seiner Kindheit in irgendeiner Form Erfahrungen mit „Rutschpartien“ gemacht. Rollschuhe, Inlineskates, Eislaufen, Schlittern auf glatten Böden oder Eis sind einfache und bekannte Bewegungsmuster, die auf Bigfoot oder Snowblades im flachen Gelände sofort wiedererkannt werden.
  • Aha
    Ganz von selbst stellt sich meist das Bedürfnis nach größeren Rutschwegen und –geschwindigkeiten ein. Sanfte Mulden ermöglichen hier die angenehmsten und sichersten neuen Bewegungserfahrungen, die keinesfalls durch „Bedienungsanleitungen“ von Außen gestört werden sollen.
  • Erste Schwünge
    Im langsamen Tempo auf Bigfoot ergeben sich die ersten Kurven ganz natürlich in paralleler Beinstellung und mit Körperrotation beim Abbremsen, die unnatürliche und deshalb mühevolle Pflugstellung sollte in diesem Stadium auch aus den Köpfen erfahrener Skilehrer längst verschwunden sein.
  • Kurven
    Dem natürlichen Bewegungsverhalten entspricht bei etwas mehr Speed und Kurvenlust automatische Gewichtsverlagerung auf das Außenbein und deutliches Aufkanten.
  • Umsteigen
    Das Bedürfnis zum nächsten Schritt, stellt sich mit der Lust auf mehr Geschwindigkeit ganz von selbst ein. Der richtige Zeitpunkt für den Umstieg von Bigfoot auf Skis wird vom Coach mit viel Fingerspitzengefühl für die getätigte Bewegungserfahrung im geeigneten Gelände angeboten. Ist das Timing richtig, bemerkt der „Schüler“ kaum einen Unterschied, außer einer angenehm empfundenen erhöhten Stabilität entlang der Längsachse der Skis.
  • Pflug
    Der Schneepflug braucht auch in dieser Phase nicht extra gelehrt werden, er ergibt sich mit längeren Skis und der Geländewahl – sanfte Kuppen und Mulden – ganz von selbst, durch den angeborenen Stoppreflex, bei dem automatisch die großen Zehen nach Innen gedreht werden. Dieser Reflex wird ohne spezielle Anleitung ganz automatisch in Belastungswechsel und Aufkanten integriert, weil er als angenehm und natürlich empfunden wird um Tempo und Richtungswechsel mitzusteuern. Ist dieser Schritt getan, hat man als Skilehrer nur mehr die Aufgabe den persönlichen Stil des Schülers durch Spur- und Geländewahl zu fördern. Erst wenn der Stil zur Entfaltung gekommen ist, besteht die Möglichkeit die Technik zu verfeinern.
  • Erster Schnee
    In den fünfzehn Jahren die ich bisher auf dieser Welt verbrachte, habe ich schon sehr viel erlebt. Ich bin in Jamaica geboren und dort in einer wunderschönen Landschaft aufgewachsen. Jeder der sich ein wenig in Geographie auskennt, weiß, dass es in Jamaica keinen Schnee gibt. Deshalb habe ich bis vor sieben Jahren noch nie Schnee gesehen und bis vor kurzem kannte ich nur den braunen und grauslichen "Gatsch" der Stadt. In diesen Weihnachtsferien hatte ich im Kreis einer lieben Familie die Möglichkeit für sechs Tage ins Zillertal zu fahren und meine ersten wirklichen Bekanntschaft mit Schnee und vor allem mit dem Skifahren zu machen.
    Als wir am ersten Tag auf den Berg fuhren, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Es war schöner und interessanter als jeder Palmenstrand. Am Anfang traute ich den "Brettln", die auf der Schulter trug nicht so recht, doch angeschnallt gaben sie mir sofort ein unheimlich gutes Gefühl der Sicherheit, der Freude und besonders die Lust diesen wunderschönen, weißen Berg hinunterzufahren. Es war von Anfang an unglaublich einfach und so befreiend. Wenn ich am Lift fuhr und nach oben schaute, konnte ich es kaum erwarten wieder hinunterzufahren. Ich sag es ganz ehrlich: es war ein Ding der Unmöglichkeit, dabei nicht über beide Ohren zu grinsen. Egal was ich tat, ich musste die ganze Zeit lächeln.
    Morgen fahre ich wieder nach Wien, wo ich jetzt zu Hause bin, in den verhassten "Gatsch", keinesfalls freiwillig...die Schule ruft. Ich bin dankbar, dass es mir möglich war diese freie, wunderschöne Welt zu sehen, zu spüren und zu lieben.

    Vanessa
    GLM Die Kurzskimethode
    Als "Erfinder" des Unterrichts mit variablen Skilängen gilt Dr. George Twardokens aus USA. Diese Methode wurde in den USA "GLM-graduated lenghth method" genannt und konnte sich, obwohl die Erfolge verblüffend waren, in Europa nicht durchsetzen, weil das mehrmalige Skiwechseln pro Tag zu aufwendig war. In den letzten Jahren hat GLM, im deutschsprachigen Raum „Kurzskimethode“ genannt, immer mehr Anhänger unter europäischen Skipädagogen gefunden. Auf carving-ski.de gibt Uwe Hanss einen interessanten Überblick zum Thema.


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    Super Beitrag *thumbs up*
    27.11.2004 22:28 
     >> antworten
     
    Danke nochmal für die Hilfe! Moderne und interaktive Skilehreranleitung gibts nirgendwo sonst!
     
    das kann i net glauben
    22.02.2003 20:59 
     
    toni
    >> antworten
     
    was ihr hier erzählts, in zwei stunden skifahrn lernen. a so a bledsinn. da waratn jo di gonzn skilehrer dodln, de wos mindestens an drei tages kurs empfehln. oda?
    Feedback:
    RE: das kann i net glauben
    22.10.2003 17:56 
     
    Uwe
     
     
    Servus Toni,
    naja, nach 2 Stunden schon perfekt Ski zu laufen, wird zwar nicht ganz klappen, aber wer etwas Bewegungsgefühl hat, Inline laufen kann, der wird über die Methode sehr schnell das richtige Gefühl für´s Gleiten bekommen und recht problemlos - ohne den mir "verhassten" Pflug - auf längere Ski umsteigen können. "Verhasst" deshalb, weil ich immer wieder sooo viele sehe, die sich im Pflug auch mittelsteile Passagen runterquälen und nicht von ihm los kommen. Mit der Kurzskimethode wird gleich das richtige Körpergefüh...
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