kunstpiste: Kurven, Schnee & Menschen
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Thu, 22 May 2003
Milestones der Carving Bewegung
Carving - nichts Neues
Telemarkski
Um 1860 entwickelt sich die Kunst des Skilaufes in Norwegen in eine neue Richtung. Sondre Norheim modifiziert parallelkantige Skier durch eine Einziehung in der Mitte. So entsteht eine Taillierung, die "Telemarkschweifung". Dadurch wird der Ski drehbar. "Telemark und Kristiania" - die Richtungsänderungen der Telemärker - sind Ergebnis dieser Veränderung am Ski. Aus einer Schußfahrt jäh anzuhalten, ist den Telemarkern durchaus möglich. Ihre sportlichen Ambitionen gehören verschiedenen Arten eines Hindernislaufes, deren einen sie Slalom nennen.

Ursprung des Alpinen Skilaufs
Mathias Zdarsky
Mathias Zdarsky 1856 in Iglau/Mähren geboren, zieht sich in reiferen Jahren auf das Gut Habenreit bei Lilienfeld zurück. Durch Nansen, vor allem aber durch schneereiche Winter, die seine Bewegungsfreiheit stark eindämmen, angeregt, läßt er sich aus Norwegen Skier kommen. Diese sind 294 cm lang, 8 cm breit, 4,75 kg schwer und vorne und hinten aufgebogen. Schon auf dem Weg von der Übernahme nach Hause merkte Zdarsky, daß die Skier für das alpine Gelände kaum geeignet sind. Er kürzt sie daher auf ca. 1,80 cm und entfernt die Rille. Die Skier sind bereits tailliert, d.h. vorne 2 cm und hinten 1 cm breiter als in der Mitte. Mit dieser Form wird das Kurvenfahren erleichtert: "Die Skikante ist also ein Theil einer kreisförmig gearteten Kurve. Durch den Druck, dem der Ski ausgesetzt ist ergibt sich schon die bogige Richtung der Fahrbahn."
"Vorarbeiter"
  • C.J. Luther veröffentlicht 1914 "Die bogenlaufende Wirkung des gekanteten Schneeschuhs"
  • Josef Dahinden träumt um 1930 vom vollendeten Gleiten im Schwung mittels "geschweiften Kanten und federnd elastischem Bau des Skis"
  • Toni Ducia und Harald Reinl, zwei Innsbrucker Skilehrer im Skiclub Paris, lehnen 1934, von sportlichen Gesichtspunkten geleitet, die Rotation ab. Die Richtungsänderungen mit Rotation benötigen zu viel Zeit und bringen den Wettläufer in eine schlechte Ausgangsposition für den nächsten Schwung. Eine perfekte Anleitung zum Carven von Toni Ducia: "Der Läufer nimmt lediglich den Bergski zurück, kantet ihn nach innen und legt sich dann ruhig über ihn hinaus; die in die Bogenrichtung umgelegte Schaufel leitet nun die Drehung, die "Trägheit" führt sie weiter bis an ihr Ende, ohne, daß es einer weiteren Hilfe des Läufers bedarf." Kurt Reinl, Toni Ducia: Skilauf heute 1937
  • Giovanni Testa, erkennt 1936 die Bedeutung des vorausgehenden Schrittes: "Das Vorstellen soll immer vor dem Schwung geschehen...." und bemerkt 1945 "Vor der Drehung (nach links) auf linkem Fußballen leicht hochgehen, linke Schulter vorbringen und rechten Fuß zurück."
  • Frank Harper empfiehlt in seinem Buch "Skiing Naturally" 1949 einen Schrittwechsel vor der Richtungsänderung. Die dargestellten Ski sind äußerst stark tailliert.
  • Fritz Reichert promoviert 1957 in Leipzig mit dem Thema "Der Einfluß der Skitaille auf die Richtungsänderung in der Abfahrt.
  • Zvonje Debeljak aus Krein baut 1966 stark taillierte Ski unter dem Namen"Kaninke"
  • Georges Joubert definiert 1966 die Schneidetechnik
  • Dipl. Ing. Robi, Konstrukteur bei Elan, läßt sich 1977 die zwei Carver Servo und Retro patentieren bei denen Schaufel und Skiende gespreizt werden können.
  • Step by Step
  • 1989 Ole Christian Furuseth siegt im Riesenslalom auf stark taillierten Ski
  • 1991 Erste Carvingski für Konsumenten
  • 1996 Alle Firmen präsentieren Carvingski
  • 1997 Carvingski wird Standardski
  • Zum Thema
    Alles schon dagewesen - Mag. Arno Klien, Interski 2003
    PDF Download
    Bilgeri - 1911
    Bilgeri - 1911

    Geburtshelfer der "Neuen Bewegung" im Schnee
    Die Chronologie des Carvens zeigt deutlich, dass es sich dabei um eine sehr natürlich gewachsene Entwicklung des Skilaufs handelt. Allerdings und besonders in Österreich und Deutschland unterbrochen durch einen regelrechten Kampf der Skiideologien, die sich in Kleinigkeiten verlieren.

    In den starren Systemen der Skihierarchien hat sich noch kein Querdenker leicht getan, doch wer an Rosen glaubt, der bringt sie auch zum Blühen. Reinhard Fischer, Hans Zehetmayer und Walter Kuchler, alle zusammen schon etwas reifere Herren, haben sich in ihrem Tun und Denken nicht beirren lassen und der "neuen Skibewegung" zum Durchbruch verholfen.
    Thanx Guys!
    Prof. Hans Zehetmayer
    Prof. Hans Zehetmayer

    Hans Zehetmayer
    war von 1968 bis 1997 Leiter der Ausbildung "Alpiner Skilauf" am Sportwissenschaftlichen Institut der Universität Wien. 18 Jahre lang war er in der staatlichen Skilehrerausbildung tätig, Kontroversen über seinen modernen Weg führten schliesslich zu seinem Ausscheiden. Im Internationalen Verband der Ski-Instruktoren (IVSI) war er von 1975 bis 1991 Vizepräsident. Er verweist auf der Suche nach Skilaufverwandten Bewegungen auf die Ähnlichkeit von Schrittbewegungen und Richtungsänderungen im Skilauf . Als Leiter der Lehrwarteausbildung (Skilehrer in Vereinen) prägt er die skifachliche Diskussion für viele Jahre. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit ist er auch mit "Leib und Seele" Skilehrer und nutzt jede Gelegenheit, seine Erkenntnisse und die daraus resultierende Methodik weiterzugeben.
    Reinhard Fischer
    Reinhard Fischer

    Reini Fischer
    ist einer der massgeblichsten Begründer der Carvingtechnologie und auch auf vielen anderen Gebieten Skipionier. Er propagierte bereits 1977 die Beschleunigungstechnik. "Erhört" wurde er aber weder von der Industrie im Wunsch nach Technologie, die diese Technik unterstützen sollte, noch von Experten in der Umsetzung im Rennlauf. Als er mangels taillierter Skis ein Snowboard der Länge nach durchschnitt war der erste Entwicklungsschritt in Richtung Carvingskis getan. Der Evolutionsprozess gelangte erst nach jahrelangen akribischen "Tüfteleien" zur Realisierung durch eine kleine deutsche Skimanufaktur. Roland Voigt (VR-Ski) stand zu dieser Idee und produzierte Reinis ersten Snowrider. Reinis Meisterwerk wird im kleinen Kreis als genial geschätzt. Den Ruhm allerdings haben sich große Skifirmen angeeignet und sich mit Kopieversuchen ihren Weg aus der Rezession erleichtert.
    Dr. Walter Kuchler
    Dr. Walter Kuchler

    Als junger Priester erkannte Walter Kuchler, dass die Theologie keine Wissenschaft ist. Er zog die Konsequenz, legte das Priesteramt nieder und wurde Skilehrer. Fast 30 Jahre lang wirkte er maßgeblich im Deutschen Skilehrerverband mit. Als er Mitte der 80er Jahre die "Carvingtechnik" propagierte, stieß er dort jedoch nur auf Widerstand. Wieder legte Walter Kuchler seine Ämter nieder und ging seinen eigenen Weg. Heute ist seine Betrachtung anerkannt, er hat13 Skibücher geschrieben, und ist Leiter eines des größten Skitests der Welt.


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